Harter Tobak statt locker-flockig

Was ist eigentlich die Rolle des Theaters? Wozu geht man überhaupt ins Theater? Darauf bekommt man bestimmt, je nachdem, wen man fragt, eine andere Antwort. Neulich besuchte ich eine Vorstellung von Die Gerechten und erlebte ein Stück, worüber sich die Verfechter des lockeren Entertainments wohl eher beschwert hätten. Wer vom Theater erwartet, unverfängliche Unterhaltung und Amusement zu …

Das Verwirrspiel des Mephisto

Dem Regisseur Milan Peschel schien ein Stein vom Herzen gefallen zu sein, als er nach der Premiere von Klaus Manns Mephisto auf die Bühne kam. Mit einer Umarmung dankte er am Ende des Stücks vor dem anhaltenden Beifall des Publikums nacheinander allen Mitwirkenden. Die Anspannung war groß, nachdem die um sich greifende Grippewelle auch die …

Der Flatrate-Segen

Nenne mir ein Stück aus der letzten Spielzeit des Schauspiels Hannover. Tja, wärst du Student der Germanistik oder gar des Darstellenden Spiels wüsstest du vielleicht eins. Oder wenn du von Freunden ein Junges Abo geschenkt bekommen hast und tatsächlich die Muße hattest, eine Karte davon einzulösen. Oder wenn deine Oma in Hannover wohnt und du …

Viel um mich, ein bisschen ums Theater und ein Halbsatz für die Emanzipation.

Aua, hatte ich schlechte Laune! Ich komme rein, und der ganze Raum ist vernebelt. Ich hasse das, dieses widerlich stinkende Chemie-Zeug, ich werde immer krank von dem Scheiß! Außerdem war ich einfach satt, ich hatte genug: Von der Zeit, vom Thema, von den Zwanzigern. Das war meine eigene Schuld, keine Frage. Im Moment habe ich …

Girls don’t like Boys, Girls like Empowerment and Girlpower

Mit „Mädchen wie die" bringt das Junge Schauspiel Evan Placeys Jugendstück mit wummernden Bässen, medialen Bezügen und einem Pool aus moralischen Fragen auf die Bühne des Ballhof Zwei. Mit 16 hat fast schon jeder einen nackten Körper gesehen. Die Freund*innen, die ersten Partner*innen. Vielleicht peinlich berührt in der Biostunde, heimlich im Nachtprogramm auf dem elterlichen …

Fressen und Moral

Jack London habe ich bis jetzt in zwei Phasen gelesen: Einmal als Kind, damals wegen der spannenden Abenteuergeschichten und den mutigen, starken Helden. Jetzt, als älteres Kind, lese ich London noch einmal. Diesmal aber wegen der philosophischen Erkenntnisse in seinen Texten. Da eins seiner bekanntesten Werke, der Roman Ruf der Wildnis, nun vom Jungen Schauspiel auf …