Der Anklatscher schweigt.

Kennen Sie diesen Moment?

Sie gucken eine Unterhaltungssendung und der Moderator macht einen Witz. Das mag häufiger vorkommen – worauf ich aber hinaus will, ist der Moment zwischen Witz-Ende und tosendem Applaus der Zuschauer.

Denn wenn Sie genau hinhören, dann folgt auf den Witz nicht direkt der tosende Applaus! Eigentlich passiert das höchst selten, was daran liegt, dass die meisten Witze der Moderatoren im Regelfall gar nicht witzig sind – jedenfalls empfinde ich das so, im Regelfall.

Dass trotzdem geklatscht wird, liegt an dem wohl wichtigsten Mitarbeiter einer TV-Comedy-Produktion – dem Anklatscher.

Das Ironische dabei ist, dass der Anklatscher, obgleich von unersetzbarer Wichtigkeit für das Gelingen der Sendung, im Grunde der inkompetenteste Trottel auf Gottes grüner Erde sein kann – und häufig genug auch ist, denn Klatschen kann ja nun wirklich jeder.

Hier komme ich ins Spiel, denn da ich mich von dieser Jobbeschreibung herausgefordert genug gefühlt habe, beschloss ich, mich auf den Studentenjob zu bewerben: „Staatstheater Hannover sucht Anklatscher (m/w) für monatlich produzierte Late Night Show.“

Gesagt, getan und hier bin ich. Meine Arbeit ist denkbar einfach: Ich setze mich zu Showbeginn in das Publikum und beginne, an vorher festgelegten Stellen des Programms – meistens direkt nach Witzen, die im Skript als solche gekennzeichnet sind, engagiert zu klatschen. Und dank der Mischung aus Gruppenzwang und betretener Stille steigen die meisten Zuschauer nach und nach mit ein; mit dem Resultat, dass der Zuschauer vor dem Fernsehgerät unterbewusst denkt: „Ja wenn alle das jetzt lustig finden, dann war es das jetzt wohl auch“, und ebenfalls ins Lachen mit einsteigt – oder wenigstens hörbar durch seine Nasenflügel exhaliert.

Nun könnte mein Leben denkbar einfach sein, aber so kurz vor der Premiere der Sendung bekomme ich Lampenfieber und gewisse Zweifel ob der Job auch zu mir passt.

Das klingt jetzt vielleicht wahnsinnig lächerlich, aber denken Sie mal darüber nach: Ich werde dafür bezahlt, bei Witzen und Aktionen zu lachen und zu klatschen, die ich vielleicht gar nicht witzig oder sogar falsch und geschmacklos finden könnte.

Denn ich bin ein sehr moralischer Mensch und finde persönlich, dass man manche Dinge einfach nicht macht und über einige Themen einfach nicht spaßen sollte! Das können andere anders sehen, nennt mich konservativ, aber ich bin in diesem Punkt Hardliner!!

Nun, den Job aufgeben kann ich nicht, ich brauche das Geld. Aber ich bin nicht der Typ, der Ärger in sich hineinfrisst und DESHALB, werde ich hier, in diesem Blog, monatlich, nach jeder Sendung, meine Gedanken und meinen Frust niederschreiben über das, was ich während meiner Arbeit durchmachen musste.

Ich bedanke mich im Voraus für ihr offenes Ohr, nun ja, vielleicht wird es ja auch ganz nett.

Bis zum nächsten Mal.

P.S. Ich dachte, ich werde die Reihe „der Anklatscher schweigt“ nennen. Ein wenig pathetisch, aber irgendwie muss man die Leser ja zum Clicken zwingen.

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