Der Anklatscher Schweigt. locked and loaded!

Wenn mein Vater eines kann, dann sind das Liegestütze.

Es schein auch egal zu sein, wie sehr das Alter die körperliche Konsistenz verfallen lässt (Papa ich hab dich lieb), die Grundmuskulatur für diese Übung ist anscheinend nicht tot zu kriegen.

Diesen Umstand verdankt er dem Grundwehrdienst beim Bund, als in seiner Kaserne „der Liegestütz“ als Disziplinarmaßnahme ganz hoch im Kurs stand. Und allem Anschein nach war mein Vater prädestiniert dafür, sich (und seinem dankbaren Umfeld) diese Disziplinarmaßnahme einzuhandeln. Er versicherte mir aber, dass das an Situationen wie dieser lag:

(Stellen Sie sich das Folgende möglichst lebhaft vor)

Eine Kompanie bis aufs Äußerste motivierte Wehrdienstleistende befindet sich gerade inmitten einer Marschübung, als sich mein Vater an den kommandierenden Herrn Unteroffizier wendet:

MEIN VATER: Herr Unteroffizier, wie lange müssen wir noch laufen?

(In meiner Vorstellung ist der Herr Unteroffizier ein kleines, untersetztes Männchen, mit viel zu großem Helm, das immer und in allen Lebenslagen maximal am Schreien ist)

UNTEROFFIZIER: HALTEN SIE DEN MUND, KLATSCHER!11!!1 SIE LAUFEN SO LANGE IN DIE RICHTUNG (zeigt nach vorne) BIS SIE AUS DER RICHTUNG (zeigt nach hinten) WIEDER ZURÜCKKOMMEN! HABEN SIE DAS VERSTANDEN, KLATSCHER??!!

MEIN VATER: Sehr wohl, Herr Unteroffizier!

UNTEROFFIZIER: UND HÖREN SIE AUF ZU GRINSEN!

MEIN VATER: (am Grinsen wie blöd) Ich grinse nicht, Herr Unteroffizier!

UNTEROFFIZIER: 20 LIEGESTÜTZE FÜR DIE GANZE KOMPANIE!!!!1!

Ich gebe zu, das ist eher ein visueller Gag, bei dem man vermutlich „dabei gewesen“ sein muss, aber ich muss immer stark schmunzeln, wenn ich mich an die lebhafte Schilderung meines Vaters dieser Szene erinnere… Ach ja, Militärstumpfheit zieht immer.

Womit wir dann auch bei der dies monatlichen Folge der „Zur Nacht Schau“ angelangt wären. Dieses Mal ging es nämlich um die Bundeswehr, oder wie der Steglich meinte, um die „Bundes… wer?“

Und bis auf diesen Wortwitz, der aus der „heute-show“ hätte stammen können, habe ich nichts an dieser Episode auszusetzen… es war wirklich ein Volltreffer!

Vor allem war es sehr informativ, es gab nichts Neues zu hören, aber Steglich hat alles zusammengetragen, was die letzten Monate und Jahre über die Bundeswehr durch die Medien gegeistert ist: Von der Wahnsinns-Online-Kampagne „Die Rekruten“ über das Evergreen „Die Bundeswehr und ihr Schrottgewehr“ bis hin zum Nazi-Skandal um Franco A.

Mich hat diese Ausgabe stark an den Stil des amerikanischen Ablegers der ZNS erinnert, eine wirklich noch unbekannte Late Night Show mit dem Namen „Last Week tonight“. Aber das stört überhaupt nicht: Wenn man sich für die Thematik interessiert, oder Ihnen die selten dämliche „Rekruten“-Serie genauso auf den Zeiger ging wie mir, dann macht die ZNS auch diesen Monat wieder Spaß!

Es ist zwar nicht die feinste Art der Komik, wenn man sich in bester RTLII Manier über eine 18-Jährige beömmelt, die sich keine zwei Sekunden an einer Klimmzugstange festhalten kann, aber wie meinte schon Oscar Wilde? „Nur die ganz Stumpfsinnigen sind schon beim Frühstück geistreich“. Was soll’s, manche haben es auch einfach verdient.

Dann wurde noch der Kirche einer mitgegeben, der obligatorische Nazigag gemacht (bei dem leider keiner lachte, außer dieser Rothaarige von letztem Mal) und ehe man es sich versah, waren wir bei der Wiedereinführung der Wehrpflicht angekommen.

Hier werde ich eben abkürzen: Die Antwort auf die Frage lautet „JA!“ Wir brauchen wieder die Wehrpflicht und wer jetzt erbost Facebook-Kommentare schreiben will (bitte tut das, es erhöht die Reichweite!) soll sich erst die Argumentation des Steglich anhören: Es. Macht. Einfach. Sinn.

(Nachzugucken gibt es die ZNS in der Mediathek von „h1-Fernsehen aus Hannover“ oder auf YouTube)

„Wir. Dienen. Deutschland“. Bei allem Spaß, den man sich über die Bundeswehr macht, sollte man aber nie vergessen, was die Damen und Herren in Camouflage dort letzten Endes machen:

Sie dienen Deutschland und leisten ganz hervorragende Arbeit an unserer Gesellschaft: Bei Hochwasserkatastrophen zuhause, bei humanitären Krisen im Ausland und – in der Tat – bei der Verteidigung unseres Landes, so sehr man das vielleicht auch verdrängen mag.

Und für diesen Dienst hat die Bundeswehr unseren Dank und unsere Anerkennung mindestens genauso verdient wie unseren Spott, wenn mal wieder ein Hubschrauber nicht fliegen will.

P.S. Das war dieses Mal viel zu pathetisch und rührselig am Ende, aber was soll man machen, diese Folge der ZNS hat zum Nachdenken halt eingeladen.

P.P.S. Der zweite Knopf war wieder zu! Diesmal auch im Sitzen, ich spüre, in der Sakko-Affäre liegt viel Potenzial für einen Running Gag 😉

Foto: Katrin Ribbe

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