Peniswitze! Der Anklatscher Schweigt.

(Ja, Geduld, die Peniswitze kommen, am Ende. Entweder Sie warten oder sie klicken auf das Video und Spulen vor bis zu Minute 36.)

AHA! Schau an, dieser Blog hat tatsächlich Leser, denn – der Knopf war auf!! Aus dem Augenwinkel habe ich mitbekommen, wie kurz vor Showbeginn die Öffentlichkeitskoordinatorin mit einem bösen Seitenblick auf mich dem Steglich eingetrichtert hat, doch gefälligst das Sakko aufzumachen. Da geht er hin, der Running-Gag.

Das nur als kleiner Starter vorweg, eigentlich wollte ich von etwas ganz anderem berichten, denn: Heute (vor einer Woche) hatte ich meinen ERSTEN GROSSEN MOMENT!  Da h1, dieser Bürgersender, die ZNS überträgt und auch auf YouTube stellt, spulen Sie mal zur Minute 1:35 vor! Es lohnt sich! Machen Sie es JETZT und kommen Sie wieder! Großartig nicht wahr? Der Steglich und ich – wir beide haben es ja wirklich nicht leicht. Leider haben wir im Publikum immer sehr viele politisch sehr korrekte Freigeister sitzen und diesen Schlag Mensch bekommst du kaum aus der Reserve gelockt:

Da feuert der Steglich gleich zu Beginn einen astreinen Ossi-Witz mit Lutherbashing als Setup ab – und im Publikum erschlafft kollektiv das Zwerchfell. Ist das denn zu fassen? Aber NICHT MIT MIR!! Hier wird immer noch gelacht, wenn ich das sage, warum machen wir denn den ganzen Spaß??! Also: Tief Luft geholt und provokant in die Stille reingelächtert! Was folgte waren meine 15 Minuten Fame – oder sagen wir 15 Sekunden, auf jeden Fall war es ein magischer Moment… gucken Sie es sich an, Minute 1:35! Ich spüre, das könnte der Beginn einer innigen Bromanze vom Steglich und mir sein…

Ach, was war nicht alles los diese Ausgabe! Dass das Publikum übrigens so humorängstlich war, lag daran, dass wir 5 Minuten vor der Sendung noch keinen einzigen Publikumszuschauer hatten, was vermutlich daran lag, dass die zahlreichen Zuschauer der letzten Ausgaben sich gedacht haben, die ZNS lieber auf dem sehr bekannten, sehr guten Big Player Broadcaster der hannoverschen Bürgermedienszene „h1“ gucken zu wollen. Dieser Umstand sorgte beim Steglich… oder…ich darf ab jetzt Jonas sagen, für Galgenhumor und bei der Produzentin für kalte Panik. Zum Auftrittsbeginn waren dann doch die Ränge voll, obgleich ich den dunklen Verdacht habe, dass die Sendeleute in Windeseile alles Theaterpersonal aufgescheucht haben, was sich nicht rechtzeitig in die Kantine retten konnte. So erklärt sich vielleicht die homogene Humorgesinnung. Jedenfalls war es schön doof von den Zuschauern Zuhause zu bleiben, denn live entfaltet die ZNS noch ganz andere Prioritäten, die man im Fernsehen gar nicht mitbekommt!

DER PROMPTER STOCKT!

Z. B., dass die Sendung abgebrochen werden musste! Hat in der Fernsehfassung keiner mitbekommen, da wurde schön seicht drüber geschnitten, im Theater aber ist für einen kurzen Moment die Bühne zusammengefallen! Man darf das aber nicht der Kollegin am Teleprompter anlasten, diese Maschinen sind wirklich ein paar garstige Dinger! Dank der Geistesgegenwärtigkeit des MAZen-Machers, war dieser Zwischenfall aber kein Stimmungskiller.

UND ENDLICH kommen wir auf das absolute Highlight zu sprechen! „Begrapscht oder beklatscht?!“ Phänomenal! Erinnern Sie sich noch an die Sexismusdebatte, die wir vor 2 Wochen für 2 Tagen hatten? Mit Harvey Weinstein und so? #Metoo?

Und Jonas verarbeitet das einfach perfekt: In einem Machospiel, wo zwei arme Jungs aus dem Publikum – vermutlich waren das die Bühnenbauer oder so – sich spontan Punchlines zu den absurdesten Anmachsprüchen ausdenken mussten und die Frauen per Klatsch oder Buhruf für Minus-, oder Doppelminuspunkt sorgen sollten, zeigt sich die ganze Unsicherheit unserer Gesellschaft mit diesem Thema.

Gucken Sie es sich an, ungefähr bei Minute 38 geht es los. Wenn Sie auch nur ein My für Albernheit, Peniswitze und Lachen ohne Denkanschluss übrig haben, werden Sie sich bei der Begrapschungsstory von Jonas ohne Plastiktüte kaum noch einkriegen können. Im Publikum aber, weite Strecken tote Hose. Und auch die Kandidaten waren sichtbar verunsichert, haben herumgedruckst, die ganze Zeit am Denken „Scheiße, wie komme ich aus der Nummer wieder raus?“

Gar nicht! Das ist doch der Witz! Hieße der Steglich Böhmermann und die Zur Nacht Schau „Neo Magazin“ wäre ich erstens besser bezahlt und zweitens hätte diese Nummer mindestens bei Focus und Spiegel Online für Kolumnenkriege gesorgt. Da sich aber (noch) keiner um uns kümmert, übernehme ich das eben, aber beteiligen Sie sich bitte rege bei Facebook!

Mit einem lächerlichen Spiel, wo die Kandidaten nur verlieren KÖNNEN, führt uns Herr Steglich vor, wie unentspannt wir in Sachen Sexismusdebatte sind. Besser gesagt, wie unsicher wir sind, überhaupt in eine Diskussion einsteigen zu wollen. Wenn sich schon die Zuschauer zieren, in einer Late Night Show durch Klatschen oder Buhen „Position beziehen“ zu wollen sind wir weiter als gedacht von einer gelassenen Debattenkultur entfernt. Vermutlich deswegen, weil es eigentlich keiner Debatte bedarf, dass man Frauen weder dumm anmachen, anfassen, bevormunden oder irgendwie anders als jeden anderen Menschen behandeln sollte, sollte doch eigentlich Konsens sein! Jedenfalls juristisch und wenn man sich irgendwas auf seine Demokratie einbildet.

Dass das nicht so ist, liegt an jahrzehnte-, jahrhundertelanger Geschlechter- und Rollenerziehung (sag ich jetzt einfach mal so). Dass es verdammt schwer ist, den Menschen umzuerziehen, weiß mindestens jeder, der sich mal das Rauchen abgewöhnen wollte. Sexismus ist dieser Struggle, nur hundertmal schlimmer, weil es an das Identitätsverständnis der Gesellschaft geht.

Und wenn wir hier eine Veränderung schaffen wollen, brauchen wir Geduld und einen langen Atem und Gelassenheit, wenn einige unserer Mitmenschen vom Bauchgefühl her noch nicht da sind, wo sie im Kopf sein sollten. Und in der Zwischenzeit kann man auch mal über eine Rakete in der Hose lachen.

Nächste Zur Nacht Schau: Do., 14.12., 22:30 Uhr, Cumberland

 

 

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