IndiRomanceDramaFilmTheater

Mit Folge fünf und sechs ist die Staffel-Halbzeit der Theaterserie erreicht – das heißt, ich nehme jetzt keine Rücksicht mehr auf irgendwelche Neulinge, sorry. Wer jetzt noch frisch dazugekommen ist, kann sich HIER und HIER die Reviews der ersten vier Folgen durchlesen.

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Die Inszenierung von Martin Laberenz war die bisher Schönste. Schönste, nicht die Beste, nicht die Kreativste, ich will die gar nicht untereinander werten, bei so unterschiedlichen Regiestilen macht das auch keinen Sinn. Laberenz hat aber etwas gemacht, was die anderen Regisseure vorher nicht gemacht haben: Die Story von Fallada einfach so gelassen, wie sie ist.

Das sorgt dann dafür, dass Karl, Kalli und Rieke auf einmal in Berlin leben (waren die nicht noch gerade in Linden?) und Rieke ordentlich am Berlinern ist… (Hochdeutschhauptstadt Hannover?) ach egal… dann ist es für diesen Abend eben einfach so. Was Laberenz damit gewinnt, ist das ganze Potenzial der Rieke-, Karl- und Kalli-Geschichte und das ist ziemlich viel, denn:

!SPOILER! Rieke wartet nach dem Krieg darauf, dass ihr Karl nach Hause kommt, Kalli ist heimlich in Rieke verliebt und will nur, dass sie glücklich ist, Karl hadert damit, es nicht „nach oben“ geschafft zu haben. Hier haben wir alles: Drama, Liebe, Freundschaft… Braucht es mehr für eine packende Geschichte? Für mich sind das die typischen Themen aus einem guten amerikanischen Independentfilm –  und Folge 5 & 6 fühlen sich genauso an. Natürlich nicht, ohne das Theater dabei zu vergessen.

Der Film

Das „Filmgefühl“ kommt daher, dass die genretypischen Werkzeuge benutzt werden. Emotionale Szenen werden von typischer Singer/Songwriter-Musik untermauert. Ein bisschen Slapstick. Die Lichtgestaltung sorgt für das Colorgrading – immer passend zum Inhalt. Es gibt die typische „Zeit-geht-vorbei-Montage“, die spätestens seit Notting Hill überall zu sehen ist, und die zwei Schauspieler und die Schauspielerin harmonieren miteinander und tragen das Stück. Überhaupt, das war die erste Folge, wo man endlich auf die Schauspieler achten konnte, weil man eben nicht von der Inszenierung reizüberflutet wurde. Das bedeutet nicht, dass die Inszenierung langweilig war, im Gegenteil! Das Mittel der Live-Kamera wurde – finde ich – bisher am besten eingesetzt: Anstatt uns zu zeigen, was wir schon sehen, bekommen wir durch die Kamera neue Perspektiven auf das Innenleben der Figuren eröffnet. Insbesondere in Folge 6 wirkt das Kamerabild wie das 8mm-Footage einer Familien-Super-8-Kamera von früher. Und das passt super, denn im Kern geht es doch um diese kleine dreiköpfige Familie. Mit Karl als Papa, Rieke als Mama und Kalli als Kind. Naja, vielleicht war Karl auch das Baby, who knows.

Das Theater

Das Stück ist aber kein Filmabzug, der sich auf die Bühne verirrt hat, hier passiert schon viel Theater! Der Spaß an einer Inszenierung ist es doch, die ganzen metaphorischen Bilder aufzuschlüsseln, und damit geizte der Regisseur auch nicht. Hier will ich auch gar nichts verraten – gut vielleicht eins: Zu Beginn der zweiten Folge wird 20 Minuten lang nur Wäsche hin und her getragen. Viel Spaß!

Theater ist oftmals intellektuelle Stimulation, diesmal sind es einmal große Emotionen. Am Ende wird es nochmal richtig schön: Der Singer/Songwriter spielt ein trauriges Lied und Karl und Kalli stehen draußen rauchend auf dem Dach. Erst haben sie sich gestritten, jetzt wieder versöhnt; Kalli redet ihm ins Gewissen und Karl nickt und dann… fällt nicht der Vorhang, sondern rollen die Credits.

Foto: Timo Jaworr

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