KOKAIN MORPHIUM OPIUM

Die Bühne bewegt sich knarzend, nimmt Fahrt auf. Menschen laufen, rennen, erleben.
Die Musik treibt das Geschehen und die Schauspielenden voran. Doch was geschieht wo, was verpasse ich an einer anderen Stelle? Mein Gehirn verarbeitet Bilder, ich sehe schlecht, die Brille liegt zuhause.
Während auf der Bühne Rollen angenommen und abgegeben werden, kommentiert das Publikum. Es ist verwirrt, es ist überfordert, es findet Gefallen.
Slapstickartige Einlagen, die bis zur Ermüdung ausgeschöpft werden, sorgen für erstaunliche Erheiterung. Ein vor mir sitzender Herr gibt ein wohlgemeintes, aber grimmig vorgetragenes „Das war doch schon ganz gut!“ in die Runde. Ich zweifle, schaue weiter. Tosender Applaus, sich verbeugende Menschen – das hier ist noch nicht das Ende, nein. Kokain – Opium –Morphium hoch oben, auf den Brettern die Angst.
Es wird zerlegt, zusammengebaut, montiert und demonstriert. Bilder reihen sich an Worte, reihen sich an Bewegungen. Etwas ballt sich zusammen, streckt sich, löst sich niemals auf.  Gepeitschte Fragmente und Zitate verweisen aufeinander zurück. Wann wurde aus Hendrik der Mephistoteles, wann wurde aus dem Mephisto ein Hamlet?

Mit Mephisto bringt das Schauspiel Hannover eine Collage auf die Bühne, die sich an Motiven des Films, der bildenden Kunst und der Popkultur bedient.
Zwischen King Kong, dem Lichtspielhaus, Hamlet und Nazis ist jeder ein wenig Hendrik Höfgen. Auf den Leinwänden hoch über den Schauspielenden werden Filmszenen abgespielt, Bilder projiziert, Wahrheiten konstatiert.
Ein Verwirrspiel aus Mächten, Ängsten und der Frage nach der eigenen Positionierung sorgt im Publikum für angehaltenen Atem, Zwischenrufe und fehlendes Verständnis.
Der berühmte und wiederholt zitierte Hamlet-Monolog mündet schließlich in einer Inszenierung der Geisterszene und einzelnen Blitzlichtern aus Intrigen, Wahnsinn und Verlust.
Zu erkennen ist schließlich ein Mosaik, das noch immer nicht ganz passen mag, aber durch das Gerüst der Montage zusammengehalten wird.

Foto: Karl-Bernd Karwasz

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