QualityLand – Buch oder Schauspiel?

Im September letzten Jahres erschien der neue Roman des wohl bekanntesten Kleinkünstlers Deutschlands: QualityLand von Marc-Uwe Kling. Berühmt geworden durch seine Känguru-Trilogie, wagte er sich nun an einen Roman, der an Orwells 1984 denken lässt – nur halt in witzig. Das Buch begeisterte mich sehr, Kling blieb seinem Stil treu und so bin ich gespannt zu sehen, wie diese doch recht umfangreiche Geschichte im Theater inszeniert werden soll.

Das Stück beginnt und mein Blick fällt zunächst auf die riesige Schrottpresse in der Mitte der Bühne. Sie ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte und vereint das moderne Qualityland mit dem Protagonisten Peter Arbeitsloser, der vom System längst abgehängt wurde. Ebenso wie das Buch ist auch die Inszenierung eine einzige Reizüberflutung – flackerndes Licht, Anzeigetafeln und automatische Ansagen sorgen für das Bild einer fortschrittlichen Gesellschaft, die jedoch völlig den Boden unter den Füßen verloren hat. Während einige Szenen verständlicherweise gekürzt oder ganz weggelassen wurden, zogen sich andere in unerträgliche Längen. Was zunächst eher abschreckend klingt, ist jedoch ein gekonnter Kniff. Peter Arbeitsloser hängt am Telefon in einer Warteschleife und wird gefühlte Ewigkeiten von einer Playlist beschallt, deren Songs alle paar Sekunden wechseln. Irgendwann reicht es nicht nur dem Protagonisten, sondern auch dem Publikum und alle atmen gemeinsam auf, als sich eine Stimme am anderen Ende der Leitung meldet.

Abgesehen von dieser Szene wird man als Zuschauer*in allerdings wenig überrascht, wenn man das Buch bereits kennt. Viele Dialoge sind direkt aus dem Roman zitiert, die Pointen sind zwar immer noch unterhaltsam, aber eben auch nichts Neues. Kling hat es den Theatern allerdings auch nicht leicht gemacht. Fast 400 Seiten geballte Handlung müssen auf die Bühne gebracht werden und das in weniger als drei Stunden. Insofern ist dem Theater kein Vorwurf zu machen. Wer das Buch schon kennt, wird trotzdem nicht enttäuscht. Ein aufwendiges, überzeugendes Bühnenbild und die gute schauspielerische Leistung mit Gesangseinlagen sind Grund genug, sich das Stück anzuschauen. Dass Roman und Inszenierung nah beieinander bleiben, schafft andere Effekte. So freute auch ich mich insgeheim auf meine Lieblingsszene mit dem Auto Herbert und genoss das Schauspiel. Solltet ihr das Buch allerdings noch nicht gelesen haben, herzlichen Glückwunsch! Geht ins Theater und lasst euch von Qualityland überzeugen, denn andersrum gesprochen: Es gibt keinen besseren Anreiz, das Buch zu lesen, als die Inszenierung im Schauspiel Hannover zu sehen. Wer nun also Lust auf mehr bekommen hat, sollte zunächst dem Theater und dann der Buchhandlung einen Besuch abstatten – denn glaubt mir, es loht sich!

Foto: Isabel Machado Rios

  1. Das Buch hat mir sehr gut gefallen – ich fühlte mich vom Stil her ein wenig an Douglas Adas erinnert, wobei Kling dann doch sein ganz eigenes Ding draus macht. Als Theaterstück kann ich mir „QualityLand“ gut vorstellen, es war mir vor diesem Beitrag jedoch gar nicht bewusst, dass das Buch umgesetzt wurde!

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