Die Entstehung und Vernichtung der Welt – in 4 Stunden

DIE EDDA.

Die Idee, Die Edda in einem einzigen Theaterstück aufzuführen, kam von Thorleifur Örn Arnarsson und Co-Autor Mikael Torfason. Für alle, die mit der altisländischen Geschichtensammlung nichts anfangen können:

Die Edda ist so etwas wie eine Bibel. In ihr findet man die Entstehung der Welt, ebenso wie ihren Untergang – Ragnarök. Dazwischen tausende Geschichten und Lieder, zu denen auch die Nibelungensage gehört.

Klingt also nach einer ambitionierten Vorstellung dies alles an einem Abend im Theater zu vermitteln. Und doch schaffen die Isländer viel mehr als das. Der Premierenabend beginnt mit viel Trubel, Kamerateams aus Island filmen die Vorstellung, fremde Sprachen im Tumult aus Theatergästen. Und dann geht es los. Der Vorhang öffnet sich und Arnarsson und Torfason nehmen uns mit, durch einen Vorhang aus Nebel, in ihre Interpretation der Entstehung der Welt. Musikuntermalt sitzen die Zuschauer gebannt in den Stühlen und horchen dem Prolog, der Weissagung der Seherin. Schon hier wird klar: Dies wird ein besonderer Abend. Nach und nach dünnt sich der Nebel und eine Bühnenlandschaft voller Schnee wird sichtbar.

Auf ihr wird die Beziehung der zwei Gottheiten Loki und Thor dargestellt, die uns viel mehr wie zankende Geschwister vorkommen. Es wird viel gelacht. Es werden politisch unkorrekte Witze über Zwerge gemacht und politisch korrekte über Trump. Und plötzlich wird es doch ganz ernst, als in der zweiten Hälfte nach der Pause vom Tod eines Familienvaters die Rede ist. Hier bricht der Handlungsstrang der Edda zeitweise ab. Die Welt auf der Bühne wirkt konfus, so konfus wie es für den Co-Autor, der seinen Vater verlor, zugegangen sein muss.

All diese Emotionen werden eingerahmt in aufwendigste Bühnenbilder, malerischen Gesang von Gabriel Cazes und kunstvolle Kostüme, die Kostümbildnerin Karen Briem gemeinsam mit den Schauspieler*innen in einem Prozess entwarf.

Die Edda erzählt viel mehr als nur den Inhalt des Mythos. Sie zeigt wie nah doch die Erzählungen von Helden und Göttern am heutigen Leben liegen , auch wenn im zweiten Teil die künstlerische Freiheit etwas die Überhand gewinnt. Das Theaterstück erzählt sogar so viel, dass man am Ende von den vier Stunden etwas geplättet dasitzt. Die Leistung des Ensembles und des Teams hat in keiner Weise nachgelassen, wohl aber die Konzentration des Publikums. Vier Stunden, in denen Freud und Leid sehr nah beieinander liegen. Vier Stunden mit außergewöhnlichen Kostümen und Bühnenbildern, die ein neues Zeitalter des Theaters einzuläuten vermögen. Aber es blieben dennoch vier Stunden.

Foto: Katrin Ribbe

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