Chaos is a friend of mine

In der Performance Dylan: A Changin´ wird das Erbe Bob Dylans neu gedacht

Bob Dylan will Geschichten erzählen und nicht die Wahrheit. In seinen Texten lässt er verschiedene Stimmen zu Wort kommen, ändert Perspektiven und erzählt von kleinen Momenten und großen Veränderungen mit denen sich Generationen identifizieren können. „The times they are a changing“ – und die Kunstfigur Bob Dylan veränderte sich mit. Er war die Folkmusik-Ikone der 60er, erzeugte einen Skandal, als er zur elektronischen Gitarre griff, malte Porträts und Frauenakte, erhielt den Literaturnobelpreis und ist mit 76 Jahren immer noch auf seiner Never Ending Tour. Bob Dylan will sich nicht definieren lassen. 

In der Inszenierung Dylan: A Changin´ von Jonas Steglich wird diese Undefinierbarkeit von Identitäten verhandelt. Gezeigt wird ein Sammelsurium voller Geschichten, Figuren und Assoziationen. Mit den Worten “Das ist der Anfang von meiner Geschichte…” werden Identitäten vorgestellt, Konflikte eröffnet, nur um sie dann wieder abrupt zu beenden. Eine einsame Figur erzählt von dem unverhofften Wiedertreffen einer jugendlichen Liebe, die er aus Unsicherheit direkt wieder zurücklässt. Ein desillusionierter Rebell ist auf der Suche nach seinem Heimatdorf. Dysfunktionale Beziehungen folgen auf Diskussionen über den eigentlichen Sinn des Lebens, ein nihilistisches Cowgirl will alle zum Schweigen bringen und ein berüchtigter Anarchist will beim Sterben nicht mehr mitmachen. Dann kommt auch noch Bob Dylans Mutter dazu und will die Nobelpreisvorlesung halten, wäre nur Roberts Handschrift nicht so krakelig.  Zusammengehalten wird die Performance von einer dreiköpfigen Liveband unter der Leitung von Christian Decker, die die einzelnen Szenen mit Dylan-Interpretationen unterstützen. Die Atmosphäre wechselt zwischen Western, Zirkus und Rockkonzert, die Textausschnitte zwischen denen von Umberto Eco und Wolfram Lotz. Das Collagenchaos aus Szenen, Figuren und Gegenständen auf der Bühne dürfen sich die Zuschauenden zur Freund*in machen. Die Inszenierung spinnt Bob Dylans Gedanken weiter, indem keine Figur nur eine Rolle spielt.

Foto: Isabel Machado Rios

 

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