Thank you for traveling with Ibsen today

Alexander Eisenach inszeniert Ibsens Drama Hedda Gabler als Zugreise durch menschliche Abgründe.

Die frisch erworbene Villa des ungleichen Paares Jörgen Tesman und Hedda Gabler begegnet uns auf der Schauspielhaus-Bühne als ewig im Kreis fahrender Zug, sich düster drehend um einen verdorrten Baum. Dass Unheil bevorsteht, kündigt nicht allein der schwarze Schwan an, der Hedda auf die Bühne trägt, denn der Ausgang der Geschichte ist bekannt: Heddas Jugendliebe Eilert Lövborg stirbt durch eine Kugel aus dem Revolver der schönen Generalstochter, in den Tod getrieben durch ihren Machthunger.
Regisseur Alexander Eisenach konstruiert die Erzählung mit reichlich Textinput großer Denker: Ibsen, Aristophanes und Nietzsche geben sich die Klinke in die Hand, versacken immer weiter mit in dem Moor der fatalistischen Hedda, begleitet durch sphärische Live-Musik-Klänge. Die Kamera fängt die Darsteller*innen ein, betont eindringliche Dialoge, schafft Nähe. Auf einer halbtransparenten Leinwand werden Zuschauer*innen etwa Zeugen gescheiterter Annäherungsversuche des anzüglichen Richters Brack.
Eisenach lockert die Suche nach der Entstehung der modernen Gesellschaft mit Slapstick-Elementen und der Wettstreit zwischen dem Dionysischen und Apollinischen wird zum Saufgelage. Die lebensmüde Hedda sucht den Sinn des Seins jenseits des Ökonomischen, uns begegnen Egoismus und Kapitalismus. Das Große wird ersehnt, aber erstickt an Langeweile. „Aber tun Sie es in Schönheit!“, gibt sie Lövborg mit auf dem Weg. Es scheint fast verständlich, wie sie sich in der Düsterheit der endlosen Waggons und den nebelverhangenen Szenen, die Schönheit nur im Tod vorstellen kann.

Foto: Katrin Ribbe

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