Hedda Gabler – Aktuell nach 127 Jahren

Wie viel Macht verträgt der Mensch bzw. mit wie viel Macht kann ein Mensch umgehen? Mit viel Symbolik erzählt Henrik Ibsen die Problematik und Konfliktanfälligkeit einer Leistungsgesellschaft.

Die Verführung zur Ergreifung der Macht findet ihren Nährboden nicht überall. Vielmehr benötigt es eine Persönlichkeit, die sich zuvor in Abhängigkeiten gebracht hat und einen Großteil ihrer Eigenständigkeit dadurch aufgab. Enttäuschte Versprechungen und der Wunsch nach dem Ausbruch aus dieser eingefahrenen Situation bringen die Voraussetzungen für das Stück und die Protagonistin dieser Theaterpremiere, Hedda Gabler.

Ebendieser Nährboden ist dann schnell skizziert: Für Hedda Gabler ergibt sich nichts Neues mehr im Leben. Der eigene Ehemann stellt eher ein Hindernis als Antrieb des Fortschritts dar und der Konkurrent des Hauptverdieners unterscheidet sich nur durch ein Manuskript, mit dem er eher fahrlässig als sorgsam umgeht, sodass es in Heddas Hände fallen könnte und schließlich auch fällt. Immer wieder wird mit ausgeprägten Metaphern gearbeitet. So zeigt direkt die Einstiegsszene die Quintessenz des Stücks: Hedda Gabler auf einem überdimensional großen Schwan sitzend, innen ihr Gatte, der nur mühsam in der Lage ist, Hedda zu lenken und fortzubewegen.

Aber auch die Umtriebigkeit der Hedda wird deutlich in einem sich drehenden Bühnenbild. Schnelle Szenenwechsel sind möglich. Eine Dynamik bindet Szenerien aneinander. Und wenn die aktuelle Bühne in der Totale doch nicht ausreicht, dann gibt es doch noch das Live-Kamerasystem des Staatstheaters, welches auch in diesem Stück wieder zahlreich und langwierig eingesetzt wurde. Wenn ich mir an dieser Stelle einen Kommentar nicht verkneifen kann, dann, dass es doch ein bisschen viel gewesen ist. Zu viel. Schließlich ist es ein Schauspiel und keine Filmproduktion. Es geht zu viel verloren, da die Darbietung an dieser Stelle erst durch einen Filter zu gehen scheint, bevor er beim Zuschauer ankommt. Aber das nur am Rande.

Die Besetzung des Stücks ist in dieser Konstellation klarer als sonst. Es sind nicht nur Schauspieler, die eine Rolle formen, sondern auch Rollen, die Schauspieler formen. Dieses interessante Wechselspiel greift perfekt ineinander. Das macht das Stück noch interessanter, noch authentischer. Gleiches gilt für die live eingespielte Musik. Mit klassischen Instrumenten, aber auch Synthesizern wird ein guter Mittelweg aus Klassik und Moderne für die Musik gefunden, die sich nahtlos ins Geschehen einfügt.

Hedda Gabler wurde moderner denn je umgesetzt und genauso modern und aktuell ist die vermittelte Problematik, obschon die Uraufführung 1891 war: Wie weit wird man gehen, wenn der Schlüssel zu einem Problem direkt greifbar, aber nicht mit einem guten Gewissen zu vereinbaren ist?


Für alle Studierenden in Hannover an dieser Stelle noch ein Tipp: Einige Premieren des Schauspiels sind auch in der Theaterflatrate inbegriffen. So war es auch bei Hedda Gabler. Einfach mal an der Kasse nachfragen. #nichtklausurrelevant

Foto: Katrin Ribbe

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