Die Physiker – Verrückte Adaption.

Wie ruiniert man die beste deutsche Komödie? Sie denken sich nun vielleicht:  “Man castet Til Schweiger!”, aber das ist eine ganz andere Baustelle.

Am Anfang einmal eine sachte Heranführung an die Sache: Sie haben schon im Titel gelesen, es geht um Die Physiker. Warum aber denke ich, dass Die Physiker die beste deutsche Komödie ist?

Hier sollte ich zunächst einmal relativieren, mit anderen Worten, ehrlich sein: Ich kenne nicht allzu viele deutsche Komödien. Aber ich kann Ihnen so viel verraten: Filmemacher, Autoren und Comedians wären bankrott, wenn ich ihre Zielgruppe und mein Lachen ihr Gehalt wäre. Das bedeutet keinesfalls, dass ich nicht gerne lache, ich liebe es zu lachen und ich würde lügen, behauptete ich, dass nicht auch der eine oder andere flegelhafte Lacher über einen gepflegten Pimmel-Witz dabei ist. Aber Kunst hat es auf einer rein humoristischen Ebene schwer, mich abzuholen. Zumindest, wenn man mehr möchte, als ein erheitertes Schnauben.

Während ich Die Physiker las, habe ich mich mehrfach weggeschmissen. Das soll schon was heißen. Während ich mir die Inszenierung des Jungen Schauspiels ansah, habe ich kein einziges mal gelacht. Sie wissen, worauf ich hinaus möchte.

“Ich kenne die Gags ja schon” oder “Humor ist immer subjektiv” sind hier schöne Argumente, sage ich mir, aber leider Platzpatronen.

Natürlich kann man dieses Stück auch loben. Man kann es loben für das tolle Bühnenbild und man kann es loben für die analog hervorragende technische Umsetzung – ich denke hier vor allem an den Einsatz der Kamera. Das Ensemble ist lobenswert und sorgfältig zusammengestellt.

Ein ebenfalls interessanter Ansatz ist, dass jede einzelne Person im Stück verrückter wirkt, als die eine rationale Figur, die vorgibt verrückt zu sein. Alle anderen geben entweder vor, Verrückte zu sein, sind tatsächlich auch desillusioniert, oder gelten zwar als gesund, verhalten sich aber, als hätten sie einen Knacks. Ist es also überhaupt möglich für einen Menschen in unserer Welt, sich zu verhalten wie eine geistig gesunde Person? Ein lobenswerter Ansatz, der aber leider nie wirklich fruchtet.

Nicht lobenswert ist, dass man, anstatt sich auf die geniale Pointen und das perfekte Timing des Humors in Dürrenmatts Vorlage zu verlassen, lieber auf Slapstick und Groteske gesetzt hat. Und die ist genau einmal perfekt gewählt gewesen und zwar genau an der Stelle, an der auch Dürrenmatt grotesk war. Recht zum Ende, als sich zwei der Physiker als Geheimagenten herausstellen, geht eine grandiose Persiflage auf Spionage- und Actionklamauk à la James Bond und Mission Impossible über die Bühne. Das ist übrigens auch die nahezu einzige Stelle, an der mir ein erheitertes Schnauben entlockt wurde.

Ich trauere nur den Lachern aus der literarischen Version hinterher… Schade drum.

Foto:  Karl-Bernd Karwasz

 

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