Das Sams und wir

Hey, du warst auch am Samstag bei der Sams-Premiere, oder? Mit wem warst du da?

Mit meiner besten Freundin, die hat auch alle Bücher gelesen und sich total gefreut, dass sie mitkommen konnte. Ich selbst hab‘ die Bücher gar nicht mehr so in Erinnerung.

Wie fand sie es denn, so als echter Fan?

Sie fand es total lustig und es hat ihr Spaß gemacht. Sie fand klasse, dass viele Original-Textstellen vorkamen.

Oh, das habe ich gar nicht so bemerkt…

Ja, ich auch nicht! Ich bin auch nicht mehr so fit, was die Bücher angeht.

Aber dann ist ja ein Fan schon mal überzeugt.

Ja genau! Wie fandest du es denn?

Ich fand es gemischt. Die haben total viel lustigen Quatsch gemacht und ich musste sehr viel lachen und auch die Kinder haben ja laut gelacht. Aber mir war auch das Sams im Buch immer nicht so geheuer und deshalb bin ich auch im Stück nicht so richtig warm geworden mit der Figur. Das Sams war einfach plötzlich da, hat viel Quatsch gemacht und den armen Herrn Taschenbier genervt.

Ich fand aber schön, dass das am Ende nicht mehr so war. Am Anfang hatte ja auch Herr Taschenbier gar keine Lust auf das Sams, aber am Ende war es Teil seiner Familie und immer, wenn es nicht da war, hat man gemerkt, dass es ihm fehlt. Der konnte die Einsamkeit und Stille gar nicht mehr ertragen, die sonst vom Sams gefüllt war.

Ja das stimmt, das kam echt gut rüber!

Ich fand ja die Rolle vom Chef ein bisschen skurril.

Ja, der war echt schmierig!

Genau, mega schmierig. Ich kenne das Buch nicht und weiß nicht so genau, wie das dort war, aber im Stück fand ich ihn echt extrem schwierig. Vielleicht sind wir da auch neu sensibilisiert durch die #MeToo-Debatte. Mir ist es echt ein paar Mal eiskalt den Rücken heruntergelaufen, was ja aber auch heißt, dass der Schauspieler (Janko Kahle) das wirklich gut rübergebracht hat. Manchmal dachte ich „Wuääää“, die arme Frau März wird da gerade voll belästigt!

Ja das fand ich auch! Vor allem hat mich gestört, dass sie dabei so passiv bleibt. Sie hat sich einmal unterm Tisch versteckt und auch, dass sie mit ihm alleine essen geht, fand ich seltsam. Ich dachte die ganze Zeit: „Jetzt wehr‘ dich doch mal! Bring‘ mal nen Spruch!“

Ja, das war echt schade. Ich fand, die beiden (Antonia Eleonore Hölzel, Janko Kahle) haben das aber sehr gut gespielt. Da lief wenig verbal und trotzdem wusste man, was sie gerade denken. Aber ich fand auch schade – gerade, weil da so viele Kinder waren – dass die Rolle der Frau da so passiv war. Da hätte man auch kritischer rangehen können. Der Chef hat ja echt null Feedback bekommen, dass er sich gerade super eklig verhält.

Vielleicht liegt es auch ein bisschen daran, dass das Buch aus einer anderen Zeit kommt. Trotzdem hätte es ja die Möglichkeit gegeben, dass das Sams sich etwas mehr über ihn lustig macht oder die Frau mehr in Aktion tritt. Dafür fand ich Frau Rotkohl super cool!

Ja, Frau Rotkohl war der Hammer! Die wurde auch super gespielt (Catherine Stoyan) und ich habe manchmal echt gebrüllt vor Lachen! Ich glaube, die Kinder fanden die auch super! Und Herrn Mon fand ich auch sehr cool! Der Schauspieler (Andreas Schlager) hat ja auch so viele Rollen gespielt und in jeder ist er irgendwie aufgegangen.

Der hat da echt überall super reingepasst.

Oh und das Bühnenbild (Maria-Alice Bahra) hat mich sehr begeistert!

Jaaa! Mich auch! Das war so cool! Weil sich das auch so gedreht hat, hatte man das Gefühl, man geht mit denen gemeinsam durch deren Welt.

Man konnte das richtig gut nachvollziehen. Auch die Regenschirm-Testdusche war voll ausgeklügelt. Die wurde ja nur zwei Mal richtig benutzt und dafür haben die son‘ cooles Ding gebaut!

Ja, man konnte sich das alles so richtig gut vorstellen. Und das, obwohl es ja eigentlich nur skizziert war.

Stimmt, es war total dynamisch! Das Bühnenbild hat sich ja auch ständig verändert.

Ich fand auch die Rolltreppe super! Wie haben die das wohl gemacht, dass das so echt aussieht, wenn die da hochfahren?

Was hast du von der Musik gehalten?

Ich fand es an manchen Stellen zu viel. Ein, zwei Sprechgesänge weniger hätten es auch getan. Aber das Abschlusslied zum Beispiel kam echt gut an! Ich glaube, das fanden die Kinder echt super! Und die Atmosphäre, die die Band manchmal erzeugt hat, war wirklich schön.

Zum Beispiel dieses Leichte, Verliebte in den Momenten, wo Herr Taschenbier und Frau März miteinander reden. Die Gefühle, die da in der Luft lagen, wurden so echt gut rübergebracht.

Ich fand auch gut, dass man die Band (Christian Decker, Lars Erhardt, Christoph Keding) sehen konnte. Es ist total schön, zu sehen, woher die Klänge dann jeweils kommen.

Also ich muss auch sagen, dass ich die Musik am Anfang echt nervig fand, aber später dachte ich dann: Das passt voll. Das Sams ist am Anfang ja auch total nervig und beides – das Sams und die Musik – entwickeln sich. Das sollte ja genau so sein. Und das hat die Band echt super hinbekommen.

Stimmt, so habe ich das noch gar nicht gesehen!

Ich glaube, es hat dem Publikum echt gut gefallen. Ich fand auch voll aufregend, dass am Ende so lange geklatscht und sogar getrampelt wurde. Ich war noch nicht bei vielen Premieren, aber das kannte ich noch nicht. Die haben es ja auch geschafft, die Erwachsenen zu begeistern. Hier und da gab es auch Anspielungen auf „Erwachsenenthemen“, die offensichtlich nicht nur für die Kinder gedacht waren. Es war nicht kritisch, aber ein echt tolles Familienstück!

Ja es war sehr schön albern. Wenn man sich darauf einlässt, hat man `ne Menge Spaß!

[Dieses Gespräch haben Anna und Lara kurz nach der Premiere des Sams geführt und aufgeschrieben.]

Foto: Während Herr Taschenbier in der Regenschirm-Testdusche das neueste Modell testet, versteckt sich das Sams im Schrank.  © Katrin Ribbe

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