Auf einen Talk mit Maximilian Grünewald

Nach der Premiere von Endland habe ich Maximilian Grünewald zu einer Rangelei im Herbstlaub eingeladen. Dabei bin ich zwar nicht hinter sein Beautygeheimnis gekommen, aber ich habe neben einigen Funfacts Wissenswertes über seine Rolle als Noah erfahren.

Welcher ist dein Lieblingsdinosaurier?
Stegosaurus.
Was ist dein Lieblingsgemüse?
Krasserweise mittlerweile Rote Beete, obwohl ich sie früher gehasst habe. Ich glaube, ich habe sie einfach so lange nicht gegessen, in dem Wissen, dass es scheiße schmeckt, aber dann hab ich sie probiert und war so unfassbar überwältigt und dankbar für dieses neue Geschmackserlebnis, dass ich gedacht habe: Das ist ab jetzt mein Lieblingsgemüse!
Kaffee oder Tee?
Kaffee.
Mit welchem Wort gewinnst du Scrabble?
Diethylenglycol.
Was ist das?
Das habe ich von meinem Papa gelernt und er ist wahnsinnig stolz darauf, weil er damit mal Scrabble gewonnen und keiner ihm geglaubt hat, dass es das Wort gibt, aber das gab’s dann doch. Diethylenglycol.
Hund oder Katze?
Hund. Entschieden Hund. Ich bin ja auch der Meinung, dass man nicht Fan von beiden sein kann. Die mögen sich untereinander nicht, da muss man sich auch für eine Seite entscheiden. Also Hund, weil die einfach treu sind und untreue Menschen hab ich die ganze Zeit, da brauche ich nicht auch noch untreue Haustiere. Ich brauche Haustiere, die komplett abhängig von mir sind. (lacht)
Welchen Zweck haben Salzstangen?
Das einzige Essen zu sein, das man essen kann, wenn man krassen Durchfall hat. Ansonsten haben sie überhaupt gar keine Existenzberechtigung.
Seit wann bist du schon am Schauspiel Hannover?
Hier in Hannover ist es jetzt meine dritte Spielzeit, also seit zweieinhalb Jahren.
Was hast du vorher gemacht?
Da war ich auch in einem Ensemble, in Karlsruhe. Das war mein erstes Engagement nach der Schauspielschule.
Was war deine erste Rolle?
Meine erste Rolle war dort in einer Romanadaption des Glasperlenspiels von Hermann Hesse, das war sehr schön. Ich muss gestehen, dass ich ein Hermann-Hesse-Fan bin. Gertrud ist eines meiner Lieblingsbücher, aber er hat ja viele Sachen geschrieben, die ich mit 17 gelesen habe und dachte, die sind nur für mich selber geschrieben worden. Dann liest man’s fünf Jahre später wieder und merkt, es geht jedem so. Ich war da ein bisschen beleidigt, als ich festgestellt habe, dass Hermann Hesse nicht nur für mich geschrieben hat, sondern auch für alle anderen pubertierenden Teenager. Dann habe ich ein paar andere Sachen von ihm gelesen und die fand ich wesentlich reifer und weniger esoterisch.
Ist es hier in Hannover für dich anders als in Karlsruhe?
Ja, erstmal von der Spielplangestaltung. Wir haben in Karlsruhe wesentlich mehr Klassiker gespielt. Hier gibt es mehr Stückentwicklungen und auch mehr Romanadaptionen. Hier wird mehr nach den Inhalten gesucht, würde ich behaupten, und weniger danach, welche Stücke gerade schön auf den Spielplan passen würden. Und das Ergebnis ist dann, dass ich relativ wenig Stücke spiele, die es vorher schon gegeben hat.
Serious Talk. Du spielst in Endland Noah. Was bedeutet das für dich?
Ich fand, dass ist es die langweiligere Figur von den beiden ist, weil die ja erstmal von einem Wertesystem ausgeht, das unserem höchstwahrscheinlich nicht so fremd ist wie das von Anton. Noah ist ja eher bei den Grünen, gemäßigt links vielleicht. Es ist natürlich aus der schauspielerischen Perspektive wesentlich spannender zu sagen, ich spiele jetzt knallhart einen AfD-Anhänger, weil man sich da mit etwas Fremden auseinandersetzen kann. Die Arbeit mit dem Kollegen ist dann das, was Spaß macht.
Das Laub auf der Bühne wars, oder?
Das Laub hat für mich auf jeden Fall den kompletten Abend gerettet. (lacht)
Gibt es Unterschiede zu anderen Rollen und/oder Stücken, die du sonst spielst?
Es ist insofern anders, als dass es erstmal keine vorgegebene Figur gab, weil die im Roman nicht wirklich zu Ende erzählt ist. Sie ist eher so ein Funktionsträger, um eine Außenwelt mit reinzutragen und Informationen darüber zu erzählen, wie Deutschland unter der AfD aussieht. In der Inszenierung geht es mehr darum, Informationen zu droppen und nicht so sehr, eine psychologische Figur zu spielen oder einen Figurenbogen zu haben. Und da habe ich auch viele Texte selber geschrieben, was auch nicht der Normalvorgang ist. Wir haben auch sehr lange als Team an der Textfassung gesessen, bis wir da was hatten, wo wir dachten, das können wir als Theaterstück oder als Theaterabend verwenden. Das ist auf jeden Fall ein Unterschied zu anderen Abenden.
Gab es in diesem Prozess besondere Schwierigkeiten?
Man kommt ganz schnell an den Punkt, an dem man merkt, dass die Spielorte vor allem im zweiten Teil des Romans immer unterschiedlich sind. Dann wird’s ziemlich schwer, Szenen zu finden, in denen sich Menschen begegnen. Für die Bühne braucht man es als Konflikt, dass sich die Figuren begegnen und aufeinander prallen. Das war ein bisschen schwierig und deswegen haben wir dann diesen formalen Ansatz und eine erzählende Form gewählt.
Anton und Noah führen eine Beziehung. Wie gehen sie trotz ihrer weit auseinander liegenden politischen Ansichten damit um?
Da haben wir auch lange drüber geredet. Ich hab auch ganz lange gesagt, dass das nicht geht, weil ich nicht mit jemanden zusammen sein würde, der einen AfD-Parteischein hat. Die Frage ist für mich auch: Ist es wirklich eine Beziehung, die sie miteinander führen? Für mich ist es eher eine sehr enge Freundschaft, die auch durchaus mal körperlich wird. Und es ist eine Freundschaft, die vor allem auch schon über Jahre zurückreicht. Die extreme Drucksituation im Wehrdienst zu sein, das ist vielleicht ein Jahr von diesen 15 Jahren, die sie sich schon kennen. Und ich glaube, mit viel Fantasie, dass Freundschaften, die so lange bestehen und so eine Enge auch hervorgebracht haben, so etwas vielleicht auch aushalten können. Beziehungsweise, dass man die Hoffnung haben kann, dass es besser wird, wenn sie den Wehrdienst hinter sich gebracht haben.
Und wie funktioniert dann dieses Beziehungskonzept unter der Regierung der Nationalen Alternative? Das ist ja von der Regierung eigentlich nicht erwünscht.
Es ist auf jeden Fall noch nicht verboten, aber das heißt ja jetzt noch nicht, dass es per Gesetz strafbar ist. Es ist ja in einer Übergangsphase zu einer knallharten Diktatur, in der die Demokratie und Institutionen abgebaut werden, aber der alltägliche Anschein noch gewahrt wird, in einer freien Gesellschaft zu leben. Ich glaube,  im Moment ist es noch nicht illegal, schwul zu sein, aber ich glaube, dass es schon ein Druckmittel ist, wenn es um die Karriere innerhalb der Partei oder der Armee geht. Da gibt es viel, worüber sie nicht reden. Die beiden sind achtzehn, da greift ein anderer Erfahrungshorizont, eine andere Naivität im Umgang mit diesem System und eben auch eine andere Naivität im Umgang mit der politischen Meinung des Anderen. Und das gar nicht so aktiv das benennen, und sagen, wir sind jetzt eine Familie wir zwei. An dem Punkt sind sie noch lange nicht, und ich glaube, nach außen haben sie Vermeidungsstrategien entwickelt, nicht offen darüber zu sprechen. Ich glaube, mit meinen zehn Jahren mehr Lebenserfahrung bin ich jetzt so reflektiert zu sagen, ich könnte das nicht. Aber ich kann mit durchaus vorstellen, dass es für einen Achtzehnjährigen zwar widersprüchlich, aber durchaus lebbar ist.
Die Inszenierung macht recht bald deutlich, dass es sich bei der Nationalen Alternative um die AfD handelt. Was löst diese klare Positionierung aus?
Für uns war es wichtig, dass wir eine klare Positionierung finden und die fängt in dem Moment an, in dem wir am Anfang des Stücks aus dem Parteiprogramm zitieren. Wir wollten das nach Möglichkeit so konkret wie möglich machen, um zu verdeutlichen, dass es zwar eine Dystopie ist, aber von einem sehr konkreten Punkt ausgeht. Der ganze Roman ist unter der Prämisse geschrieben, was wäre, wenn das Parteiprogramm der AfD Realität werden würde. Deswegen finde ich es wichtig, dass man da nicht von den Rechten oder von einer Partei, die wie die AfD ist, sondern dass ganz konkret gesagt wird: Das ist die Partei, die momentan die Gefahr in unsere Gesellschaft hineinbringt. Und wenn deren konkretes Parteiprogramm eins zu eins umgesetzt werden würde, dann wären wir in der Welt von Martin Schäuble.
Gibt es zu euren Stücken auch Vermittlungsangebote wie Nachgespräche?
Ja, wir haben auch von der Schauspielerseite aus darauf bestanden, dass wir nach den Vorstellungen immer Publikumsgespräche machen. Dann versteht sich die Veranstaltung inklusive Nachgespräch. Und das finde ich auch total wichtig, dass wir danach gerade mit den jüngeren Leuten noch ins Gespräch kommen.

Danke für das Gespräch. 

Foto: Isabel Machado Rios

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