IN-OUT-SIDE

Die kollektive Autobiografie des Yalla-Ensembles spürt im Ballhof der Frage nach, was das Wort Heimat bedeutet und stößt dabei auf verbindende Lebenskonzepte. Gemeinsam wird ein Abend gestaltet, der intime Momente in ein kollektives Gedächtnis einwebt.

Individuelle autobiografische Erlebnisse reihen sich an Gemeinsamkeiten. Wird in einem Augenblick noch eine Partie Backgammon allein gespielt, so wird der scheinbar leere Platz mit Erinnerungen gefüllt. Das Motiv des Spiels erscheint im Laufe des Abends immer wieder und zeigt auf, dass eine Partie allein nicht funktionieren kann, sich jedoch überall und in verschiedenen Städten und Ländern wiederfindet, um so Menschen miteinander zu verbinden. Hier greifen keine sprachlichen Hürden, keine Distanzen. Ein Raum ist hier ein Raum, kein definierter Ort oder gar eine Stadt. Es ist ein Raum, in dem sich Menschen begegnen, einander kennenlernen und erkennen.

Während eines Abendessens, bei dem sich alle zusammenfinden, werden Erfahrungen und Erlebnisse ausgetauscht. Gescheiterte Beziehungen, Verlobungen oder die Liebe aus der Ferne sind Themen, die allen Darsteller*innen in unterschiedlicher Ausprägung bekannt sind. Assoziationen werden gesponnen, eine Anekdote spinnt die nächste weiter.
Zwischen Essgewohnheiten und Lieblingsrezepten, schleicht sich die Melancholie ein. Das gemeinschaftliche Essen mit Familie und Freunden scheint für alle Darsteller*innen ein wichtiges Element zu sein, wenn der Begriff der Heimat geprägt werden soll. Doch was geschieht, wenn dieser Teil nicht erfüllt werden kann?
Was, wenn der Begriff sich nicht prägen lässt?
Was, wenn Entfernungen plötzlich doch zu einem Hindernis werden, wenn die Zeit während eines Skype-Gesprächs nicht reicht, um das Vermissen zu vergessen?

Das Yalla-Ensemble entwirft einen exemplarischen Abend, der intensive Einblicke in die Biografien der Darsteller*innen erlaubt. Durch die gemeinsame Erarbeitung des Stücks gelingt eine kollektive Autorschaft, die sich hierarchischen Konzepten entzieht und sowohl Darsteller*innen als auch die gezeigten Haltungen als gleichberechtigte Elemente präsentiert.
Einige dieser Elemente finden sich in der Liebe, im Kochen, Vermissen, Träumen und Ängsten. Sie erzählen dem Publikum und einander aus verschiedenen Phasen des Lebens, von Lerneffekten und Momenten des Scheiterns. Durch atmosphärisches Licht, musikalische wie filmische Einlagen und gemeinsames Singen, wird ein geschützter Gedankenraum geschaffen, der die Zuschauer*innen dazu einlädt, den eigenen Platz in einer schauenden Masse zu hinterfragen und sich als Teil eines Ganzen zu betrachten.

Foto: Moritz Küstner

 

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