„…und ich war so nah dran“

Gedanken zu Mathias Max Herrmanns Das Wohnzimmer meines Lehrers Noch nie habe ich mich mit Mülheim an der Ruhr auseinandergesetzt. Zu Recht, wie ich finde, denn es klingt nicht gerade verlockend. Doch wie Mathias Max Herrmann über seine Heimatstadt spricht, lässt mich an mein eigenes Heimatdorf denken. Wie er die Straßen beschreibt, die Gebäude, Gerüche, …

DIE EDDA – oder: Loki, das Chaos und ein Haufen Deko

Mit dem Erdbeben von Lissabon 1755 galt Leibniz' Ansicht, wir lebten in der besten aller Welten als hinfällig – was eine ganze Reihe weitreichender Konsequenzen hatte: Voltaires Candide, Kleists Erdbeben in Chili usw. Weil einfach nicht mehr klar war, wie ein einziger, für alles verantwortlicher Gott, so etwas Schreckliches (nicht nur zulassen, sondern) verursachen konnte. …

Girls don’t like Boys, Girls like Empowerment and Girlpower

Mit „Mädchen wie die" bringt das Junge Schauspiel Evan Placeys Jugendstück mit wummernden Bässen, medialen Bezügen und einem Pool aus moralischen Fragen auf die Bühne des Ballhof Zwei. Mit 16 hat fast schon jeder einen nackten Körper gesehen. Die Freund*innen, die ersten Partner*innen. Vielleicht peinlich berührt in der Biostunde, heimlich im Nachtprogramm auf dem elterlichen …

Fressen und Moral

Jack London habe ich bis jetzt in zwei Phasen gelesen: Einmal als Kind, damals wegen der spannenden Abenteuergeschichten und den mutigen, starken Helden. Jetzt, als älteres Kind, lese ich London noch einmal. Diesmal aber wegen der philosophischen Erkenntnisse in seinen Texten. Da eins seiner bekanntesten Werke, der Roman Ruf der Wildnis, nun vom Jungen Schauspiel auf …

Peniswitze! Der Anklatscher Schweigt.

(Ja, Geduld, die Peniswitze kommen, am Ende. Entweder Sie warten oder sie klicken auf das Video und Spulen vor bis zu Minute 36.) https://www.youtube.com/watch?v=61Q0yl97BoM AHA! Schau an, dieser Blog hat tatsächlich Leser, denn – der Knopf war auf!! Aus dem Augenwinkel habe ich mitbekommen, wie kurz vor Showbeginn die Öffentlichkeitskoordinatorin mit einem bösen Seitenblick auf …

Die Berechtigung des Quengelnden

Vor einigen Wochen, als mir die Aussicht eröffnet wird, als Schreiberling für den Blog des Schauspiel Hannover Rezensionen abliefern zu dürfen, setze ich mein für mich typisches charmant-pseudobescheidenes Lächeln auf und schüttele den Kopf. “Ich glaube nicht, dass ich dafür eine Berechtigung habe.” Es stimmt wohl. Man sagt ja, der Kritiker ist ein gescheiterter Künstler, …

Der Anklatscher Schweigt. locked and loaded!

Wenn mein Vater eines kann, dann sind das Liegestütze. Es schein auch egal zu sein, wie sehr das Alter die körperliche Konsistenz verfallen lässt (Papa ich hab dich lieb), die Grundmuskulatur für diese Übung ist anscheinend nicht tot zu kriegen. Diesen Umstand verdankt er dem Grundwehrdienst beim Bund, als in seiner Kaserne „der Liegestütz“ als Disziplinarmaßnahme …

Dear Diary #1 – 1917

Freitag 20:10 Uhr Im Moment kommt irgendwie alles zusammen: Bundestagswahl mit traurigen Ergebnissen für die AfD insbesondere in Ostdeutschland. Sonntag also die Jubiläumsausgabe von 1917 zu 100 Jahre Oktoberrevolution. Dann am Dienstag Tag der Deutschen Einheit und abends läuft auch noch „Good Bye, Lenin“ im Fernsehen… Ja Himmel, dann reden wir halt über den Sozialismus, …

Kabale & Liebe oder: Tanz der Satire

"Ich habe mit Kabale und Liebe noch eine Rechnung offen.” Das waren die Worte, mit denen ich meine einstmalige Deutschlehrerin konsultierte, in der Hoffnung, sie könnte mir helfen, aus meiner Schreibblockade auszubrechen. Ironischerweise hatte Friedrich Schillers Stück wohl auch seine ganz eigene Rechnung mit mir zu begleichen. Wie wohl so viele von uns, hatte ich …