Vom Erinnern und Ermächtigen

Deborah Feldman wuchs in einer orthodoxen chassidischen Gemeinde in New York auf. In ihrer 2012 erschienenen Autobiografie erzählt sie die Geschichte ihrer Selbstermächtigung. Seit dem 26. Januar ist die Romanadaption in der Regie von Swantje Möller in Cumberland zu erleben. Auf einem runden Podest, dessen Unterbau vollständig mit Büchern gefüllt ist, stapeln sich weiße Kartons. …

Mein kleiner, widerlicher, innerer Voyeur ist befriedigt

Nach Volksvernichtung oder meine Leber ist sinnlos haben sich Inke Johannsen und Nina Wolf getroffen, um über Glitzer, Fäkalsprache und grotesques zu sprechen, um den Versuch zu wagen, etwas mehr vom schwab'schen Spirit in ihren Alltag zu lassen und um herauszufinden, wie man Menschen am Schönsten degradiert. Ob ihnen das gelingt und ob sie dank Werner Schwab …

Ein Blick in die Zukunft mit den Schicksalsschwestern

Wären die shakespearschen Schicksalsschwestern zu Thorleifur Örn Arnarssons Macbeth-Inszenierung, die am 18. Oktober im Schauspielhaus Premiere feierte, zugegen gewesen, hätten sie uns Zuschauer*innen sicher einige Weissagungen in schottischer Manier liefern können. Ein schicksalsträchtiges Horoskop. Steinbock (22. Dezember bis 20. Januar) Sie dürfen sich auf eine erfolgreiche Woche freuen, denn sowohl die Sonne als auch der Mond …

Chaos is a friend of mine

In der Performance Dylan: A Changin´ wird das Erbe Bob Dylans neu gedacht Bob Dylan will Geschichten erzählen und nicht die Wahrheit. In seinen Texten lässt er verschiedene Stimmen zu Wort kommen, ändert Perspektiven und erzählt von kleinen Momenten und großen Veränderungen mit denen sich Generationen identifizieren können. "The times they are a changing" – und …

Das Verwirrspiel des Mephisto

Dem Regisseur Milan Peschel schien ein Stein vom Herzen gefallen zu sein, als er nach der Premiere von Klaus Manns Mephisto auf die Bühne kam. Mit einer Umarmung dankte er am Ende des Stücks vor dem anhaltenden Beifall des Publikums nacheinander allen Mitwirkenden. Die Anspannung war groß, nachdem die um sich greifende Grippewelle auch die …

Die Geschichte von Samer und Hartmut

Die Zuschauer*innen sitzen auf zur Mitte gerichteten Publikumstribünen, die an eine Stadionsituation erinnern. In der Mitte eröffnet Hartmut/Samer El Kurdi sein Spielfeld. Auf Arabisch. Obwohl er die Sprache gar nicht spricht, erklärt er schnell und wechselt dann direkt in seine Muttersprache: Deutsch. Deutschland als die erste Base. Aus einem kleinen Dorf in Hessen entflieht seine …

Die Berechtigung des Quengelnden

Vor einigen Wochen, als mir die Aussicht eröffnet wird, als Schreiberling für den Blog des Schauspiel Hannover Rezensionen abliefern zu dürfen, setze ich mein für mich typisches charmant-pseudobescheidenes Lächeln auf und schüttele den Kopf. “Ich glaube nicht, dass ich dafür eine Berechtigung habe.” Es stimmt wohl. Man sagt ja, der Kritiker ist ein gescheiterter Künstler, …