„Es war einmal … das Leben“ – Ein körperlicher Erfahrungsbericht

Als ich am Samstagabend zur Premiere von Es war einmal ... das Leben fahre, weiß ich nicht, was mich erwartet. Ich habe schon mal von der gleichnamigen französischen Zeichentrickserie gehört und stelle mir einen Abend vor, der mich vielleicht in Anspielung auf die Serie zum Lachen bringen wird oder philosophische Fragen über das Leben – …

Die Königin unter den Schreibblockaden

Ich, Bertolt... Ich, Bertolt B....  Ich, Bertolt Br.... Fast eine Woche ist vergangen, seit ich die Premiere von „Die verlorene Oper. Ruhrepos" ansehen durfte und seitdem stecke ich so tief wie nie in einer Schreibblockade.   Ein Stück, das mit Leseprobenatmosphäre beginnt, sich mit einer halbstündigen Selbstreferenz in Richtung „Unter Tage“ weiterbuddelt und im ewigen …

Ketchupblut und Blumenkohl

Macht. Arturo Ui hat sie endlich. Mit weit gespreizten Beinen sitzt er zurückgelehnt und zufrieden im tiefen Sessel. Auf der übergroßen Projektion, die sich über die gesamte hinteren Bühne erstreckt, zucken seine Mundwinkel triumphierend nach oben. Das düstere Schicksal Chicagos ist besiegelt. Bertolt Brecht schrieb das Stück Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui im Jahre …

I am a passenger – and I ride and I ride – I ride through the city’s backside

Als ich mich dafür entschied, mir Iggy – Lust for Life auf der Bühne anzusehen, dachte ich vor allem daran, dass ich als Kind der 1990er Jahre schon immer einen Faible für die Musik der 70er und 80er Jahre gehabt hatte. Anders als beispielsweise meinen Eltern merke ich allerdings auch oft, dass mir das Hintergrundwissen …

Mein kleiner, widerlicher, innerer Voyeur ist befriedigt

Nach Volksvernichtung oder meine Leber ist sinnlos haben sich Inke Johannsen und Nina Wolf getroffen, um über Glitzer, Fäkalsprache und grotesques zu sprechen, um den Versuch zu wagen, etwas mehr vom schwab'schen Spirit in ihren Alltag zu lassen und um herauszufinden, wie man Menschen am Schönsten degradiert. Ob ihnen das gelingt und ob sie dank Werner Schwab …

Dystopie der einfachen Antworten

Zwischen meterhohen Aluminiumstangen liegt Eichenlaub. Dies ist der deutsche Wald. Hindurch in Richtung Publikum raschelt und schlängelt sich eine Gruppe Vereinzelter und verharrt, wenn hinter ihnen Blendscheinwerfer aufdröhnen. Dann fallen Schüsse, es folgen Schreie und die Gruppe stiebt auseinander. Beklemmend beginnt das Stück Endland unter der Regie von Paul Schwesig, das am 9. November 2018 …

Ein Blick in die Zukunft mit den Schicksalsschwestern

Wären die shakespearschen Schicksalsschwestern zu Thorleifur Örn Arnarssons Macbeth-Inszenierung, die am 18. Oktober im Schauspielhaus Premiere feierte, zugegen gewesen, hätten sie uns Zuschauer*innen sicher einige Weissagungen in schottischer Manier liefern können. Ein schicksalsträchtiges Horoskop. Steinbock (22. Dezember bis 20. Januar) Sie dürfen sich auf eine erfolgreiche Woche freuen, denn sowohl die Sonne als auch der Mond …

Hedda Gabler – Aktuell nach 127 Jahren

Wie viel Macht verträgt der Mensch bzw. mit wie viel Macht kann ein Mensch umgehen? Mit viel Symbolik erzählt Henrik Ibsen die Problematik und Konfliktanfälligkeit einer Leistungsgesellschaft. Die Verführung zur Ergreifung der Macht findet ihren Nährboden nicht überall. Vielmehr benötigt es eine Persönlichkeit, die sich zuvor in Abhängigkeiten gebracht hat und einen Großteil ihrer Eigenständigkeit …

Acts of Goodness – Es gibt nichts Gutes, außer man tut es?

Was bedeutet Gutes tun? Dem Obdachlosen, der mir jeden Tag in meiner Straße begegnet, ein paar Euros oder ein Brötchen geben? Freund*innen beim Umzug helfen, obwohl ich gar keine Lust dazu habe? Oder eine Organisation gründen, die die Armut auf diesem Planeten bekämpfen will? Sind es viele kleine Taten, die mich zu einem guten Menschen …