Dystopie der einfachen Antworten

Zwischen meterhohen Aluminiumstangen liegt Eichenlaub. Dies ist der deutsche Wald. Hindurch in Richtung Publikum raschelt und schlängelt sich eine Gruppe Vereinzelter und verharrt, wenn hinter ihnen Blendscheinwerfer aufdröhnen. Dann fallen Schüsse, es folgen Schreie und die Gruppe stiebt auseinander. Beklemmend beginnt das Stück Endland unter der Regie von Paul Schwesig, das am 9. November 2018 …

Die Entstehung und Vernichtung der Welt – in 4 Stunden

DIE EDDA. Die Idee, Die Edda in einem einzigen Theaterstück aufzuführen, kam von Thorleifur Örn Arnarsson und Co-Autor Mikael Torfason. Für alle, die mit der altisländischen Geschichtensammlung nichts anfangen können: Die Edda ist so etwas wie eine Bibel. In ihr findet man die Entstehung der Welt, ebenso wie ihren Untergang – Ragnarök. Dazwischen tausende Geschichten und …

Die Geschichte von Samer und Hartmut

Die Zuschauer*innen sitzen auf zur Mitte gerichteten Publikumstribünen, die an eine Stadionsituation erinnern. In der Mitte eröffnet Hartmut/Samer El Kurdi sein Spielfeld. Auf Arabisch. Obwohl er die Sprache gar nicht spricht, erklärt er schnell und wechselt dann direkt in seine Muttersprache: Deutsch. Deutschland als die erste Base. Aus einem kleinen Dorf in Hessen entflieht seine …

Hool – die Inszenierung einer Bewegung und eines Gefühls

Eine Rezension von Emma Zich. In Hool, dem Sprechtheaterstück nach dem Roman von Philipp Winkler und inszeniert von Lars- Ole Walburg, geht es um Heiko, der sich mit seinen Freunden in der Hooligan Szene aufhält bzw. sie lebt. Die Abkürzung Hool steht für Hooligan. https://www.youtube.com/watch?v=z7MAbrPqh98 Bevor ich die Premiere am 23. September 2017 besuchte, überlegte ich mir, …

Glück im Spiel, Pech im Leben…?

Zwischen literweise Bier, Kotze und Schamgefühl widmet sich Hool einer existenziellen Frage: Was lässt uns zu dem werden, was wir sind? Vergiftete emotionale Kompetenzen im Passspiel mit destruktiver Männlichkeit. Anpfiff. Hool öffnet das Tor zur Trostlosigkeit einer testosterongeladenen Parallelwelt und zeigt uns das Schicksal prekärer Existenzen: Im Mittelpunkt steht Heiko, zu dem die Bezeichnung „Fan” …

“Die Schändung eines Ortes, das erweitert einen”

Wie viel ist der Tod wert? Wer trägt eigentlich die Verantwortung und wer beobachtet hier wen? Nick Hartnagels Uraufführungsinszenierung von Tod für eins achtzig Geld  von Franziska vom Heede verschwendet keine Zeit viel zu erklären. Alle Erwartungen, die man so mitbringt, kann man gerne an der Garderobe abgeben: Man wird die gesamte Zeit stehen, behandelt wird …